Ja, ja, die Überschrift ist plakativ und kommt typisch Social Media-mäßig daher, immer das große Kaliber. Mea culpa! Aber in diesem Fall mache ich mildernde Umstände geltend, denn während ich diese Worte schrieb, zog ich mir ein Reisigbüschel über den nackten Rücken. Selbstgeißelung à la Stenzo, denn ich bekenne mich schuldig.
Als junger Hansdampf-in-allen-Gassen las ich weg, was mir vor die Nase kam. SPIEGEL, Stern und eine Tageszeitung. Ebenso befiel mich die Krankheit, jede mögliche Nachrichtensendung konsumieren zu müssen und darüber hinaus allerhand Journalistisches vom Auslandsjournal bis zum Weltspiegel. Inzwischen befallen mich Juckreiz und geballte Fäuste, wenn ich die einstmals geliebten und damals auch seriösen Formate konsumiere.
Hat sich meine Rezeption verändert oder der Inhalt der Nachrichten? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Vielleicht war ich früher unkritischer oder das, was sich beispielsweise in der tagesschau abspielte, war tatsächlich aus gusseisernem Journalismus geboren, nach dem Friedrich'schen Motto, sich nie mit einer Sache gemein zu machen. Ich neige zu letzterem.
Wenn ich mir die aktuelle Berichterstattung beispielsweise zu den Geschehnissen in Israel anschaue, befällt mich blanke Wut. Der ARD-Korrespondent scheint seine Moderationstexte direkt aus der Fatah-Zentrale zu erhalten. Rund um einen feigen, terroristischen Mordanschlag in einem Gotteshaus textet er unverdrossen von einem "ultra"orthodoxen Viertel, erwähnt mehrfach "ultra"rechte Siedler und verbreitet immer schön den Subtext, dass doch irgendwie die Israelis mitschuldig wären, warum umgeben sie sich auch mit Extremisten? Zum Schluss scheint er fast den Tränen nah, als er von der Zerstörung des Hauses berichtet, das der Familie eines Attentäters gehörte. Im ZDF kommt am selben Abend ausführlich vor allem die Familie der Attentäter zu Wort und hat auch letzteres im Beitrag. Alle Reporter und Moderatoren warnen nicht nur ständig vor der Eskalation, sondern vergessen nie, von gleichermaßen "beiden Seiten" zu sprechen, eine Analogie, die immer wieder auftaucht.
Die Logik am Ende des Tages: Wenn zwei palästinensische Cousins jüdische Betende in einer Synagoge abschlachten, wenn ein Fahrer ein Baby an einer Bushaltestelle mit seinem Auto tötet - dann gehört das irgendwie zum selben Spiel wie die israelische Seite, die sich erdreistet, Siedlungen zu bauen, denn mehr als dieses Argument lässt sich in den meisten Texten kaum finden.
Was wohl die geneigten Redakteure bei einheimischen Terroristen, z.B. denen der NSU oder früher der RAF oder heute irgendwelcher Salafisten in Deutschland texten würden? Hätten wir es da auch mit gleichermaßen zwei Seiten zu tun, die doch bitte nicht weiter eskalieren sollten? Könntet Ihr bitte etwas weniger Ausländer töten, dann setzen wir uns auch an einen Tisch?
Aus purer Gewohnheit, wie ein Trinker, der es nicht lassen kann, sehe ich mir tagesschau & Co noch an. Aber nicht mehr so regelmäßig wie früher. Und ich weine diesen einseitigen, unjournalistischen Medien nur eine sentimentale Träne der Vergangenheit nach, wenn das Internet sie irgendwann verschlingt. Wer sich so gemein mit dem Trend des Anti-amerikanismus und das allgemeinen Anti-Israel Gefühls macht, der soll eben irgendwann nur noch für 70jährige senden.
Filme. Autos. Fußball. Der ganze Männerkram. Hin und wieder Politik, Gesellschaft, Law & Order.
Mittwoch, 19. November 2014
Montag, 10. November 2014
Der Ausflug
Schnellen Schrittes stiefelte ich nach hinten in die
Molkereiabteilung und griff beiläufig irgendeine möglichst hochprozentige Milch.
Die kostete gefühlt so viel wie ich normalerweise für eine Mittagsmahlzeit
ausgebe, aber dieses Opfer muss man in einem Bioladen einfach bringen. Dafür
wurde die Milch bestimmt persönlich von einer glücklichen Kuh gezapft, mit
schwiemeligen Händen des Bauers, in dessen Mundwinkel eine Maispfeife klemmt.
Natürlich lief keine Musik, schließlich soll diese
manipulative Beschallung eine Wohlfühlatmosphäre vermitteln und zum Konsum
anregen. Stattdessen nur leise Geräusche schlurfender Birkenstöcke. Ich gebe es
zu, ich habe einen Schuhtick. Sag mir, worin Du läufst und ich sage Dir, wer Du
bist. Hier im Bioladen gabs eigentlich nur zwei Varianten: Entweder den nicht
tot zu kriegenden, besagten Birkenstock oder den strapazierfähigen Trekkingschuh,
natürlich in Kombination mit Jack Wolfskin Jacken und Rucksäcken, vor allem
aber Jutebeuteln. Warum sind in einer Großstadt zahlreiche Menschen so
angezogen, als wollten sie morgen die Wüste Gobi durchqueren und dabei jedem
Wetter trotzen?
Als ich bezahlte, zog ich eine sehr zerknautschte
aldi-Plastiktüte aus meiner Hosentasche und verstaute die Milch darin. Für
einen Moment schien die Welt stillzustehen. Niemand redete, fünf bis sechs
Augenpaare der Sorte Deutschlehrer, Pilates-Anwenderin und unverstandener
Alleinerziehenden richteten sich nur auf mich. Das Geraschel des Plastiks
identifizierte mich eindeutig als Unmensch, für dessen Luxus Kinder in
Südostasien schuften müssen, anstatt in die Schule gehen und später Windräder
bauen zu können.
Ich verließ den Laden mit hohem Puls und kam mir vor wie
nach dem ersten Bordellbesuch, wenn nur ein Gedanke den Kerl beherrscht:
Hoffentlich hat mich keiner gesehen!
Das war gestern.
Heute kaufte ich bei aldi ein. Unter all den Proleten in
ihren Jogginghosen, den schnellsten Kassiererinnen der Welt und dem gewohnt
rustikalen Ambiente fühlte ich mich wohl wie ein Lachs in Alaska. Trotz eines
Kleineinkaufs erwarb ich zwei Plastiktüten. Man muss gerüstet bleiben.
Donnerstag, 16. Oktober 2014
Dating Fibel für Anfänger - Leseprobe Familie
Wie schon kürzlich vorgestellt, poste ich regelmäßig einige Leseproben zu meiner bald erscheinenden Dating Fibel für Männer. Zuletzt sprach ich über Köder, also einzelne Begriffe oder Themen, die für Frauen besonders wichtig sind. Macht man hier eine passable Figur, kann der nächste Schritt in Angriff genommen werden. Im letzten Blog sprach ich über Ehrlichkeit, heute über Familie.
FAMILIE
So sehr das moderne Leben
an uns zerrt, eine Konstante zeigt sich in Untersuchungen selbst bei den
hartleibigsten Karrieristen und großstädtischen Dauersingles: Sie allen streben
das Ideal einer glücklichen Familie an. Was genau darunter zu verstehen ist,
hat sich inzwischen erheblich aufgefächert, aber im Kern bleibt der Begriff
eindeutig positiv besetzt. Da wir es mit potenziellen Muttertieren, nämlich
Frauen, zu tun haben, solltest Du die Dosis an Lobpreisungen gezielt einsetzen.
Dass Dir Dein Bruder, Deine Schwester, Dein Vater oder sonstwer gleichen Blutes ungemein wichtig ist, kannst Du
zigfach betonen, das lässt Dich als soziales Wesen erscheinen und damit punktest Du bei Frauen immer. Du kannst das noch steigern, indem Du die Nummer des großen Bruders darbietest. Wie immer, platzt Du nicht direkt damit heraus, sondern benutzt die indirekte Gesprächsführung, wie schon weiter vorn erläutert. Lass Dir den Wurm aus der Nase ziehen, dann glaubt sie an eine authentische Geschichte. Hast Du keine Schwester, erfinde eine Cousine oder ein leicht behindertes Mädchen aus der Nachbarschaft, dem Du immer die Hausaufgaben gebracht hast (dabei leise lachen).
Achtung: Wenn Du das Thema auf die eigene Familienplanung
ausrichtest, ist allerdings Vorsicht geboten. Solltet Ihr beide an diesem Punkt
bereits einiges geleistet, sprich: Kinder in die Welt gesetzt haben, wird das
Thema entspannt diskutiert werden und der Boden für mehr als einen
One-Night-Stand ist wie ein roter Teppich ausgelegt. Kaum etwas finden Frauen
attraktiver als einen Mann mit Kindern. Verantwortung, Familie und natürlich
Zeugungsfähigkeit: Drei Pluspunkte für Dich!
Merke: Solltet Ihr beide,
wichtiger aber vor allem: Sie, Single sein, musst Du das Thema sensibler
anpacken als den Nahostkonflikt. Nur wenige Dinge verschaffen einer Frau ein
schlechteres Gefühl als der soziale, vor allem aber der selbstgemachte Druck,
doch endlich Kinder zu bekommen. Strategie bei Singles jenseits der Dreißig: Erwähnen, dass Du
Kinder magst, dass es nichts Schöneres gäbe als unschuldiges Kinderlachen, dass Du Dir durchaus vorstellen kannst, mit der richtigen Frau welche zu
bekommen (hier: längeren Blickkontakt einbauen), aber dass davon nicht das
gesamte Lebensglück abhängt. Wichtiger sei die zweite Hälfte, die
Seelenverwandte, dann käme alles Glück von allein. Hier unbedingt nochmals längeren Blickkontakt einbauen und Du wirst sehen, wie sie sich lächelnd zurücklehnt und innerlich einen Haken hinter Deinen Namen setzt.
Dienstag, 14. Oktober 2014
Dating Fibel für Anfänger - Leseprobe Ehrlichkeit und Treue
In nächster Zeit stelle ich regelmäßig Leseproben zu meiner bald erscheinenden Dating-Fibel ein, die sich ausschließlich an Männer richtet. Das heutige Thema für den modernen Jäger:
Der Köder – hier beißen
sie an
Bevor wir die
Beuteexemplare im Einzelnen vorstellen, kommen wir zu den Ködern. Nicht alle
funktionieren immer gleich gut, hierzu erfährst Du im Kapitel 5 mehr, aber die
wichtigsten Köder stelle ich Dir nun vor. Damit kannst Du schon einmal im
näheren Umfeld bei arglosen Opfern trainieren, bevor Du Dich später gezielt auf
die Jagd nach dem Wunschwild begibst.
Der Köder kann ein einzelner
Begriff sein, der gezielt immer wieder eingestreut wird, um eine entsprechende
Wirkung zu erzielen, oder aber eine ganze Legende, die Du Dir zusammengestrickt
hast und möglichst überzeugend darbietest.
Wichtig: Du musst diese
Buzzwords mit dem nötigen Ernst in ein Gespräch einfließen lassen. Idealerweise
senkst Du dabei die Stimme, räusperst Dich ein wenig und seufzt einmal tief.
Das wird ihr den Eindruck vermitteln, dass Du hier schon einmal Erfahrungen
gemacht hast, die Dich geprägt und eine Narbe auf die Seele gekerbt haben. Was
bei ihr natürlich auch der Fall war und schon hast Du zum ersten Mal gepunktet:
Kaum etwas teilen Frauen lieber als schlechte Erfahrungen.
Besonders gut funktionieren Köder, die sich mit dem eigentlichen Kern von Beziehungen befassen oder, genauer gesagt, mit dem, was Frauen dafür halten, also beispielsweise Ehrlichkeit und Treue, Humor, Familienplanung oder gemeinsame Interessen. Nehmen wir den Klassiker:
EHRLICHKEIT und TREUE
Jetzt wird’s leicht
kompliziert, denn mit Ehrlichkeit meint eine Frau natürlich nicht, dass Du ihr
mit hochgezogenen Augenbrauen mitteilen sollst, wie dick sie um die Hüften
geworden ist oder dass sie morgens aussieht, als hätte sie in der Spülmaschine
geschlafen. Frauen meinen damit leicht verklausuliert besonders eines: Du
sollst sie nicht betrügen. Und falls doch, dann sollst Du es ihr sagen. Oder
vielleicht besser nicht. Eigentlich weiß sie das selbst nicht so genau, aber es spielt so oder so keine Rolle, wie Du
Dich im Fall des Falles tatsächlich verhalten würdest.
Du musst einfach nur
betonen, wie wichtig es Dir ist, in einer Beziehung „offen und ehrlich“
miteinander umzugehen. Alles andere „geht gar nicht, ist mit mir nicht zu
machen, sorry, da bin ich gebranntes Kind.“ Dabei, siehe oben, wirst Du eine Nuance unwirsch, als sei Dir das tatsächlich so wichtig wie das nächste Spiel Deines Lieblingsvereins. Du wirst an Ihren aufsteigenden Mundwinkeln erkennen, wie gut die Nummer funktioniert.
Merke: Beim Punkt Ehrlichkeit drastisch lügen und Du wirst belohnt werden.
Merke: Beim Punkt Ehrlichkeit drastisch lügen und Du wirst belohnt werden.
Montag, 15. September 2014
Der aufgeschreckte Hühnerhaufen drängelt sich links der Mitte
Gestern fanden im Osten unseres Landes zwei Landtagswahlen statt, deren Ergebnisse einen Trend verstärken, den wir schon seit einigen Wahlen beobachten können: Die FDP verschwindet langsam aber sicher von der politischen Bühne und mit der AfD gelingt eine Neugründung, die recht fulminante Erfolge feiert.
Mit den Inhalten der AfD möchte ich mich an dieser Stelle
gar nicht befassen, sondern insbesondere mit den bemerkenswerten Reaktionen
darauf. In politischen Runden, in den Medien, im Netz machen Empörungsvokabeln
und Beleidigungen die Runde, als würden blankpolierte Reiterstiefel von
Herrenmenschen durch unsere Straßen paradieren. Etiketten wie „Gartenzwerge“
und „Spießer“ bilden noch die freundliche Vorhut, bevor man das große Kaliber verschießt,
das meist mit Attributen der Sorte „braun“ oder
„reaktionär“ daher kommt.
Ultraerzstockreaktionärkonservativ
Kurzer Exkurs: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass
alles Konservative in Medien und Politik gerne mit entsprechenden Präfixen
bedacht wird? Erzkonservativ oder -reaktionär, ultrakonservativ, neo-
wasweißich, man kann gar nicht genug steigern, um seine Verachtung gegenüber
diesem anscheinend merkwürdigen Weltbild auszudrücken, in dem Familie,
Tradition, Sicherheit, Nation und ähnliches eine Rolle spielt. In unserer Gesellschaft
hat sich inzwischen eine ganz spezielle Auffassung von Demokratie breitgemacht,
in der sich fast alle in den Parlamenten vertretenen Parteien nur noch zwischen
der Mitte und dem linken Rand bewegen. Das führt zu einer nahezu beliebigen und
austauschbaren Politik der jeweils Regierenden, die, natürlich, mit praktisch
allen im Parlament vertretenen Parteien koalieren können. Was so modern klingt,
spiegelt jedoch vor allem eines wider: Einen Mangel an Streitkultur, der einem
Verlust an klaren Positionen entspringt.
Der Backslash nimmt Fahrt auf
Wer qua Medien alles Konservative, aber auch alles
eigenständig Kulturelle oder Nationale als vorgestrig verunglimpft, darf sich
nicht wundern, wenn das Pendel in eine andere Richtung ausschlägt. Die ist
in ihrer Mehrheit weder dumpf noch reaktionär, sondern dort halten sich nicht
wenige Menschen auf, die einen ganz anderen Wunsch haben, als in der beliebigen
Konsenssoße deutscher Koalitionen zu ersaufen. Der Wunsch nach politischer
Auseinandersetzung, nach Diskussion, nach Streit. Nicht nach einer
alternativlosen Politik, die immer nur eine einzige Richtung geht: Weg von
jeder Art Stabilität und Koordinatensystem, letztlich weg von der eigenen
Heimat.
Faszinierend und für mich erfreulich: Die Menschen in Europa
sind doch nicht so leicht zu steuern, wie sich das viele in Politik und Medien
wünschen, die nicht verstehen können oder wollen, was sich vor ihrer Haustür
abspielt. Von der UKIP bis zur AfD entstehen Bewegungen, die die Politik zurück
zu ihren lokalen, regionalen und nationalen Wurzeln bringen möchten. Dass sich die Politik an ihre Sessel klammert und diese Bewegungen denunziert, ist nachvollziehbar - die Medien allerdings sollten sich nicht ständig zum Kumpan genau dieses Vorgangs machen.
Run, Chicken, run!
Mittwoch, 11. Juni 2014
Der haarige Terrorknödel
Ein Gespenst geht um in deutschen Städten und Dörfern - es
ist haarig, rund und hässlich. Früher nannte man das Ding profan einfach nur
"Dutt", was phonetisch gut zu dem unansehnlichen Gewölle passt, aber
diese einsilbige Bezeichnung wird dem Terrorknödel nicht gerecht.
Was bringt Frauen dazu, ihre Haare zu einem Klumpen zu
formen? Wie eine ansteckende Krankheit breitet sich das Gestrüpp aus und ein
Gegenmittel ist weit und breit nicht in Sicht. Männer rollen mit den Augen,
Frauen bestätigen sich gegenseitig.
Selbst "King of Queens" hatte sich schon in einer
ganzen Folge dieses Klumpatsches am Kopp angenommen, auch hier mit eindeutigem
Ergebnis. Doch die Frage des "Wieso, weshalb, warum?" wurde auch dort
nicht befriedigend beantwortet. Sie hätten meine Freundin befragen sollen, die
meinte ebenso schlicht wie überzeugend: "Die Botschaft lautet: Ich habe
Freunde."
Hier liegt der Hund begraben! Eine Spätfolge des Feminismus,
sich zu befreien, sich das Recht herauszunehmen, von ästhetischen Konventionen
unbeeindruckt durch die Welt zu spazieren, notfalls in Grillschürze, Crogs und
mit jenem Knödel am Kopf, der auch mal die Sonne verdunkelt.
Zeit, zurückzuschlagen. Holt die Sandalen raus! Und die
Socken.
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