Montag, 10. November 2014

Der Ausflug



Schnellen Schrittes stiefelte ich nach hinten in die Molkereiabteilung und griff beiläufig irgendeine möglichst hochprozentige Milch. Die kostete gefühlt so viel wie ich normalerweise für eine Mittagsmahlzeit ausgebe, aber dieses Opfer muss man in einem Bioladen einfach bringen. Dafür wurde die Milch bestimmt persönlich von einer glücklichen Kuh gezapft, mit schwiemeligen Händen des Bauers, in dessen Mundwinkel eine Maispfeife klemmt.

Natürlich lief keine Musik, schließlich soll diese manipulative Beschallung eine Wohlfühlatmosphäre vermitteln und zum Konsum anregen. Stattdessen nur leise Geräusche schlurfender Birkenstöcke. Ich gebe es zu, ich habe einen Schuhtick. Sag mir, worin Du läufst und ich sage Dir, wer Du bist. Hier im Bioladen gabs eigentlich nur zwei Varianten: Entweder den nicht tot zu kriegenden, besagten Birkenstock oder den strapazierfähigen Trekkingschuh, natürlich in Kombination mit Jack Wolfskin Jacken und Rucksäcken, vor allem aber Jutebeuteln. Warum sind in einer Großstadt zahlreiche Menschen so angezogen, als wollten sie morgen die Wüste Gobi durchqueren und dabei jedem Wetter trotzen?

Als ich bezahlte, zog ich eine sehr zerknautschte aldi-Plastiktüte aus meiner Hosentasche und verstaute die Milch darin. Für einen Moment schien die Welt stillzustehen. Niemand redete, fünf bis sechs Augenpaare der Sorte Deutschlehrer, Pilates-Anwenderin und unverstandener Alleinerziehenden richteten sich nur auf mich. Das Geraschel des Plastiks identifizierte mich eindeutig als Unmensch, für dessen Luxus Kinder in Südostasien schuften müssen, anstatt in die Schule gehen und später Windräder bauen zu können.

Ich verließ den Laden mit hohem Puls und kam mir vor wie nach dem ersten Bordellbesuch, wenn nur ein Gedanke den Kerl beherrscht: Hoffentlich hat mich keiner gesehen!

Das war gestern.

Heute kaufte ich bei aldi ein. Unter all den Proleten in ihren Jogginghosen, den schnellsten Kassiererinnen der Welt und dem gewohnt rustikalen Ambiente fühlte ich mich wohl wie ein Lachs in Alaska. Trotz eines Kleineinkaufs erwarb ich zwei Plastiktüten. Man muss gerüstet bleiben.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Dating Fibel für Anfänger - Leseprobe Familie



Wie schon kürzlich vorgestellt, poste ich regelmäßig einige Leseproben zu meiner bald erscheinenden Dating Fibel für Männer. Zuletzt sprach ich über Köder, also einzelne Begriffe oder Themen, die für Frauen besonders wichtig sind. Macht man hier eine passable Figur, kann der nächste Schritt in Angriff genommen werden. Im letzten Blog sprach ich über Ehrlichkeit, heute über Familie.



FAMILIE
So sehr das moderne Leben an uns zerrt, eine Konstante zeigt sich in Untersuchungen selbst bei den hartleibigsten Karrieristen und großstädtischen Dauersingles: Sie allen streben das Ideal einer glücklichen Familie an. Was genau darunter zu verstehen ist, hat sich inzwischen erheblich aufgefächert, aber im Kern bleibt der Begriff eindeutig positiv besetzt. Da wir es mit potenziellen Muttertieren, nämlich Frauen, zu tun haben, solltest Du die Dosis an Lobpreisungen gezielt einsetzen.

Dass Dir Dein Bruder, Deine Schwester, Dein Vater oder sonstwer gleichen Blutes ungemein wichtig ist, kannst Du zigfach betonen, das lässt Dich als soziales Wesen erscheinen und damit punktest Du bei Frauen immer. Du kannst das noch steigern, indem Du die Nummer des großen Bruders darbietest. Wie immer, platzt Du nicht direkt damit heraus, sondern benutzt die indirekte Gesprächsführung, wie schon weiter vorn erläutert. Lass Dir den Wurm aus der Nase ziehen, dann glaubt sie an eine authentische Geschichte. Hast Du keine Schwester, erfinde eine Cousine oder ein leicht behindertes Mädchen aus der Nachbarschaft, dem Du immer die Hausaufgaben gebracht hast (dabei leise lachen).

Achtung: Wenn Du das Thema auf die eigene Familienplanung ausrichtest, ist allerdings Vorsicht geboten. Solltet Ihr beide an diesem Punkt bereits einiges geleistet, sprich: Kinder in die Welt gesetzt haben, wird das Thema entspannt diskutiert werden und der Boden für mehr als einen One-Night-Stand ist wie ein roter Teppich ausgelegt. Kaum etwas finden Frauen attraktiver als einen Mann mit Kindern. Verantwortung, Familie und natürlich Zeugungsfähigkeit: Drei Pluspunkte für Dich!

Merke: Solltet Ihr beide, wichtiger aber vor allem: Sie, Single sein, musst Du das Thema sensibler anpacken als den Nahostkonflikt. Nur wenige Dinge verschaffen einer Frau ein schlechteres Gefühl als der soziale, vor allem aber der selbstgemachte Druck, doch endlich Kinder zu bekommen. Strategie bei Singles jenseits der Dreißig: Erwähnen, dass Du Kinder magst, dass es nichts Schöneres gäbe als unschuldiges Kinderlachen, dass Du Dir durchaus vorstellen kannst, mit der richtigen Frau welche zu bekommen (hier: längeren Blickkontakt einbauen), aber dass davon nicht das gesamte Lebensglück abhängt. Wichtiger sei die zweite Hälfte, die Seelenverwandte, dann käme alles Glück von allein. Hier unbedingt nochmals längeren Blickkontakt einbauen und Du wirst sehen, wie sie sich lächelnd zurücklehnt und innerlich einen Haken hinter Deinen Namen setzt.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Dating Fibel für Anfänger - Leseprobe Ehrlichkeit und Treue



In nächster Zeit stelle ich regelmäßig Leseproben zu meiner bald erscheinenden Dating-Fibel ein, die sich ausschließlich an Männer richtet. Das heutige Thema für den modernen Jäger:

Der Köder – hier beißen sie an


Bevor wir die Beuteexemplare im Einzelnen vorstellen, kommen wir zu den Ködern. Nicht alle funktionieren immer gleich gut, hierzu erfährst Du im Kapitel 5 mehr, aber die wichtigsten Köder stelle ich Dir nun vor. Damit kannst Du schon einmal im näheren Umfeld bei arglosen Opfern trainieren, bevor Du Dich später gezielt auf die Jagd nach dem Wunschwild begibst.
Der Köder kann ein einzelner Begriff sein, der gezielt immer wieder eingestreut wird, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen, oder aber eine ganze Legende, die Du Dir zusammengestrickt hast und möglichst überzeugend darbietest.

Wichtig: Du musst diese Buzzwords mit dem nötigen Ernst in ein Gespräch einfließen lassen. Idealerweise senkst Du dabei die Stimme, räusperst Dich ein wenig und seufzt einmal tief. Das wird ihr den Eindruck vermitteln, dass Du hier schon einmal Erfahrungen gemacht hast, die Dich geprägt und eine Narbe auf die Seele gekerbt haben. Was bei ihr natürlich auch der Fall war und schon hast Du zum ersten Mal gepunktet: Kaum etwas teilen Frauen lieber als schlechte Erfahrungen.

Besonders gut funktionieren Köder, die sich mit dem eigentlichen Kern von Beziehungen befassen oder, genauer gesagt, mit dem, was Frauen dafür halten, also beispielsweise Ehrlichkeit und Treue, Humor, Familienplanung oder gemeinsame Interessen. Nehmen wir den Klassiker:

EHRLICHKEIT und TREUE
Jetzt wird’s leicht kompliziert, denn mit Ehrlichkeit meint eine Frau natürlich nicht, dass Du ihr mit hochgezogenen Augenbrauen mitteilen sollst, wie dick sie um die Hüften geworden ist oder dass sie morgens aussieht, als hätte sie in der Spülmaschine geschlafen. Frauen meinen damit leicht verklausuliert besonders eines: Du sollst sie nicht betrügen. Und falls doch, dann sollst Du es ihr sagen. Oder vielleicht besser nicht. Eigentlich weiß sie das selbst nicht so genau, aber es spielt so oder so keine Rolle, wie Du Dich im Fall des Falles tatsächlich verhalten würdest.
Du musst einfach nur betonen, wie wichtig es Dir ist, in einer Beziehung „offen und ehrlich“ miteinander umzugehen. Alles andere „geht gar nicht, ist mit mir nicht zu machen, sorry, da bin ich gebranntes Kind.“ Dabei, siehe oben, wirst Du eine Nuance unwirsch, als sei Dir das tatsächlich so wichtig wie das nächste Spiel Deines Lieblingsvereins. Du wirst an Ihren aufsteigenden Mundwinkeln erkennen, wie gut die Nummer funktioniert.
Merke: Beim Punkt Ehrlichkeit drastisch lügen und Du wirst belohnt werden.

Montag, 15. September 2014

Der aufgeschreckte Hühnerhaufen drängelt sich links der Mitte


Gestern fanden im Osten unseres Landes zwei Landtagswahlen statt, deren Ergebnisse einen Trend verstärken, den wir schon seit einigen Wahlen beobachten können: Die FDP verschwindet langsam aber sicher von der politischen Bühne und mit der AfD gelingt eine Neugründung, die recht fulminante Erfolge feiert.

Mit den Inhalten der AfD möchte ich mich an dieser Stelle gar nicht befassen, sondern insbesondere mit den bemerkenswerten Reaktionen darauf. In politischen Runden, in den Medien, im Netz machen Empörungsvokabeln und Beleidigungen die Runde, als würden blankpolierte Reiterstiefel von Herrenmenschen durch unsere Straßen paradieren. Etiketten wie „Gartenzwerge“ und „Spießer“ bilden noch die freundliche Vorhut, bevor man das große Kaliber verschießt, das meist mit Attributen der Sorte „braun“ oder  „reaktionär“ daher kommt.

Ultraerzstockreaktionärkonservativ
Kurzer Exkurs: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alles Konservative in Medien und Politik gerne mit entsprechenden Präfixen bedacht wird? Erzkonservativ oder -reaktionär, ultrakonservativ, neo- wasweißich, man kann gar nicht genug steigern, um seine Verachtung gegenüber diesem anscheinend merkwürdigen Weltbild auszudrücken, in dem Familie, Tradition, Sicherheit, Nation und ähnliches eine Rolle spielt. In unserer Gesellschaft hat sich inzwischen eine ganz spezielle Auffassung von Demokratie breitgemacht, in der sich fast alle in den Parlamenten vertretenen Parteien nur noch zwischen der Mitte und dem linken Rand bewegen. Das führt zu einer nahezu beliebigen und austauschbaren Politik der jeweils Regierenden, die, natürlich, mit praktisch allen im Parlament vertretenen Parteien koalieren können. Was so modern klingt, spiegelt jedoch vor allem eines wider: Einen Mangel an Streitkultur, der einem Verlust an klaren Positionen entspringt.

Der Backslash nimmt Fahrt auf
Wer qua Medien alles Konservative, aber auch alles eigenständig Kulturelle oder Nationale als vorgestrig verunglimpft, darf sich nicht wundern, wenn das Pendel in eine andere Richtung ausschlägt. Die ist in ihrer Mehrheit weder dumpf noch reaktionär, sondern dort halten sich nicht wenige Menschen auf, die einen ganz anderen Wunsch haben, als in der beliebigen Konsenssoße deutscher Koalitionen zu ersaufen. Der Wunsch nach politischer Auseinandersetzung, nach Diskussion, nach Streit. Nicht nach einer alternativlosen Politik, die immer nur eine einzige Richtung geht: Weg von jeder Art Stabilität und Koordinatensystem, letztlich weg von der eigenen Heimat.

Faszinierend und für mich erfreulich: Die Menschen in Europa sind doch nicht so leicht zu steuern, wie sich das viele in Politik und Medien wünschen, die nicht verstehen können oder wollen, was sich vor ihrer Haustür abspielt. Von der UKIP bis zur AfD entstehen Bewegungen, die die Politik zurück zu ihren lokalen, regionalen und nationalen Wurzeln bringen möchten. Dass sich die Politik an ihre Sessel klammert und diese Bewegungen denunziert, ist nachvollziehbar - die Medien allerdings sollten sich nicht ständig zum Kumpan genau dieses Vorgangs machen.

Run, Chicken, run!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Der haarige Terrorknödel



Ein Gespenst geht um in deutschen Städten und Dörfern - es ist haarig, rund und hässlich. Früher nannte man das Ding profan einfach nur "Dutt", was phonetisch gut zu dem unansehnlichen Gewölle passt, aber diese einsilbige Bezeichnung wird dem Terrorknödel nicht gerecht.

Was bringt Frauen dazu, ihre Haare zu einem Klumpen zu formen? Wie eine ansteckende Krankheit breitet sich das Gestrüpp aus und ein Gegenmittel ist weit und breit nicht in Sicht. Männer rollen mit den Augen, Frauen bestätigen sich gegenseitig.

Selbst "King of Queens" hatte sich schon in einer ganzen Folge dieses Klumpatsches am Kopp angenommen, auch hier mit eindeutigem Ergebnis. Doch die Frage des "Wieso, weshalb, warum?" wurde auch dort nicht befriedigend beantwortet. Sie hätten meine Freundin befragen sollen, die meinte ebenso schlicht wie überzeugend: "Die Botschaft lautet: Ich habe Freunde."

Hier liegt der Hund begraben! Eine Spätfolge des Feminismus, sich zu befreien, sich das Recht herauszunehmen, von ästhetischen Konventionen unbeeindruckt durch die Welt zu spazieren, notfalls in Grillschürze, Crogs und mit jenem Knödel am Kopf, der auch mal die Sonne verdunkelt.

Zeit, zurückzuschlagen. Holt die Sandalen raus! Und die Socken.