Dienstag, 14. Oktober 2014

Dating Fibel für Anfänger - Leseprobe Ehrlichkeit und Treue



In nächster Zeit stelle ich regelmäßig Leseproben zu meiner bald erscheinenden Dating-Fibel ein, die sich ausschließlich an Männer richtet. Das heutige Thema für den modernen Jäger:

Der Köder – hier beißen sie an


Bevor wir die Beuteexemplare im Einzelnen vorstellen, kommen wir zu den Ködern. Nicht alle funktionieren immer gleich gut, hierzu erfährst Du im Kapitel 5 mehr, aber die wichtigsten Köder stelle ich Dir nun vor. Damit kannst Du schon einmal im näheren Umfeld bei arglosen Opfern trainieren, bevor Du Dich später gezielt auf die Jagd nach dem Wunschwild begibst.
Der Köder kann ein einzelner Begriff sein, der gezielt immer wieder eingestreut wird, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen, oder aber eine ganze Legende, die Du Dir zusammengestrickt hast und möglichst überzeugend darbietest.

Wichtig: Du musst diese Buzzwords mit dem nötigen Ernst in ein Gespräch einfließen lassen. Idealerweise senkst Du dabei die Stimme, räusperst Dich ein wenig und seufzt einmal tief. Das wird ihr den Eindruck vermitteln, dass Du hier schon einmal Erfahrungen gemacht hast, die Dich geprägt und eine Narbe auf die Seele gekerbt haben. Was bei ihr natürlich auch der Fall war und schon hast Du zum ersten Mal gepunktet: Kaum etwas teilen Frauen lieber als schlechte Erfahrungen.

Besonders gut funktionieren Köder, die sich mit dem eigentlichen Kern von Beziehungen befassen oder, genauer gesagt, mit dem, was Frauen dafür halten, also beispielsweise Ehrlichkeit und Treue, Humor, Familienplanung oder gemeinsame Interessen. Nehmen wir den Klassiker:

EHRLICHKEIT und TREUE
Jetzt wird’s leicht kompliziert, denn mit Ehrlichkeit meint eine Frau natürlich nicht, dass Du ihr mit hochgezogenen Augenbrauen mitteilen sollst, wie dick sie um die Hüften geworden ist oder dass sie morgens aussieht, als hätte sie in der Spülmaschine geschlafen. Frauen meinen damit leicht verklausuliert besonders eines: Du sollst sie nicht betrügen. Und falls doch, dann sollst Du es ihr sagen. Oder vielleicht besser nicht. Eigentlich weiß sie das selbst nicht so genau, aber es spielt so oder so keine Rolle, wie Du Dich im Fall des Falles tatsächlich verhalten würdest.
Du musst einfach nur betonen, wie wichtig es Dir ist, in einer Beziehung „offen und ehrlich“ miteinander umzugehen. Alles andere „geht gar nicht, ist mit mir nicht zu machen, sorry, da bin ich gebranntes Kind.“ Dabei, siehe oben, wirst Du eine Nuance unwirsch, als sei Dir das tatsächlich so wichtig wie das nächste Spiel Deines Lieblingsvereins. Du wirst an Ihren aufsteigenden Mundwinkeln erkennen, wie gut die Nummer funktioniert.
Merke: Beim Punkt Ehrlichkeit drastisch lügen und Du wirst belohnt werden.

Montag, 15. September 2014

Der aufgeschreckte Hühnerhaufen drängelt sich links der Mitte


Gestern fanden im Osten unseres Landes zwei Landtagswahlen statt, deren Ergebnisse einen Trend verstärken, den wir schon seit einigen Wahlen beobachten können: Die FDP verschwindet langsam aber sicher von der politischen Bühne und mit der AfD gelingt eine Neugründung, die recht fulminante Erfolge feiert.

Mit den Inhalten der AfD möchte ich mich an dieser Stelle gar nicht befassen, sondern insbesondere mit den bemerkenswerten Reaktionen darauf. In politischen Runden, in den Medien, im Netz machen Empörungsvokabeln und Beleidigungen die Runde, als würden blankpolierte Reiterstiefel von Herrenmenschen durch unsere Straßen paradieren. Etiketten wie „Gartenzwerge“ und „Spießer“ bilden noch die freundliche Vorhut, bevor man das große Kaliber verschießt, das meist mit Attributen der Sorte „braun“ oder  „reaktionär“ daher kommt.

Ultraerzstockreaktionärkonservativ
Kurzer Exkurs: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass alles Konservative in Medien und Politik gerne mit entsprechenden Präfixen bedacht wird? Erzkonservativ oder -reaktionär, ultrakonservativ, neo- wasweißich, man kann gar nicht genug steigern, um seine Verachtung gegenüber diesem anscheinend merkwürdigen Weltbild auszudrücken, in dem Familie, Tradition, Sicherheit, Nation und ähnliches eine Rolle spielt. In unserer Gesellschaft hat sich inzwischen eine ganz spezielle Auffassung von Demokratie breitgemacht, in der sich fast alle in den Parlamenten vertretenen Parteien nur noch zwischen der Mitte und dem linken Rand bewegen. Das führt zu einer nahezu beliebigen und austauschbaren Politik der jeweils Regierenden, die, natürlich, mit praktisch allen im Parlament vertretenen Parteien koalieren können. Was so modern klingt, spiegelt jedoch vor allem eines wider: Einen Mangel an Streitkultur, der einem Verlust an klaren Positionen entspringt.

Der Backslash nimmt Fahrt auf
Wer qua Medien alles Konservative, aber auch alles eigenständig Kulturelle oder Nationale als vorgestrig verunglimpft, darf sich nicht wundern, wenn das Pendel in eine andere Richtung ausschlägt. Die ist in ihrer Mehrheit weder dumpf noch reaktionär, sondern dort halten sich nicht wenige Menschen auf, die einen ganz anderen Wunsch haben, als in der beliebigen Konsenssoße deutscher Koalitionen zu ersaufen. Der Wunsch nach politischer Auseinandersetzung, nach Diskussion, nach Streit. Nicht nach einer alternativlosen Politik, die immer nur eine einzige Richtung geht: Weg von jeder Art Stabilität und Koordinatensystem, letztlich weg von der eigenen Heimat.

Faszinierend und für mich erfreulich: Die Menschen in Europa sind doch nicht so leicht zu steuern, wie sich das viele in Politik und Medien wünschen, die nicht verstehen können oder wollen, was sich vor ihrer Haustür abspielt. Von der UKIP bis zur AfD entstehen Bewegungen, die die Politik zurück zu ihren lokalen, regionalen und nationalen Wurzeln bringen möchten. Dass sich die Politik an ihre Sessel klammert und diese Bewegungen denunziert, ist nachvollziehbar - die Medien allerdings sollten sich nicht ständig zum Kumpan genau dieses Vorgangs machen.

Run, Chicken, run!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Der haarige Terrorknödel



Ein Gespenst geht um in deutschen Städten und Dörfern - es ist haarig, rund und hässlich. Früher nannte man das Ding profan einfach nur "Dutt", was phonetisch gut zu dem unansehnlichen Gewölle passt, aber diese einsilbige Bezeichnung wird dem Terrorknödel nicht gerecht.

Was bringt Frauen dazu, ihre Haare zu einem Klumpen zu formen? Wie eine ansteckende Krankheit breitet sich das Gestrüpp aus und ein Gegenmittel ist weit und breit nicht in Sicht. Männer rollen mit den Augen, Frauen bestätigen sich gegenseitig.

Selbst "King of Queens" hatte sich schon in einer ganzen Folge dieses Klumpatsches am Kopp angenommen, auch hier mit eindeutigem Ergebnis. Doch die Frage des "Wieso, weshalb, warum?" wurde auch dort nicht befriedigend beantwortet. Sie hätten meine Freundin befragen sollen, die meinte ebenso schlicht wie überzeugend: "Die Botschaft lautet: Ich habe Freunde."

Hier liegt der Hund begraben! Eine Spätfolge des Feminismus, sich zu befreien, sich das Recht herauszunehmen, von ästhetischen Konventionen unbeeindruckt durch die Welt zu spazieren, notfalls in Grillschürze, Crogs und mit jenem Knödel am Kopf, der auch mal die Sonne verdunkelt.

Zeit, zurückzuschlagen. Holt die Sandalen raus! Und die Socken.

Dienstag, 1. April 2014

Alphatiere und Europäer



An Wladimir Putin scheiden sich die Geister. Oder an Erdogan. Oder am amerikanischen Politiker XY. Wer wird der Nächste sein, den die Europäer nicht verstehen? Seit Jahren versuchen unsere Medien und viele Netizens die Niederlage der Alphatiere in der Politik herbeizuschreiben. Dabei unterliegen sie einer Fehleinschätzung nach der anderen. Woran liegt das? Eine kurze Spurensuche.

Der begrenzte Horizont des Netizens

Jeder, der sich im Netz bewegt und globale Produkte konsumiert, der hat ähnliche Bedürfnisse, wünscht sich Freiheit, Minderheitenrechte und eine Menge Spaß auf seinem Smartphone. So die landläufige Kausalkette.

Bullshit!

Kulturen sind sehr viel resistenter gegen äußere Einflüsse, als der moderne Westler glaubt. Die Taliban benutzen gerne Handys, um ihre Bomben zu zünden und ihre Gesellschaft zurück ins Mittelalter zu befördern. In Asien gilt das Wort des Familienoberhaupts noch immer am meisten, in vielen Ländern zählt unsere Organisation von Gesellschaft als dekadent und dem Untergang geweiht, trotz unserer wirtschaftlichen Erfolge.

Faszinierend dabei ist nicht die Tatsache dieser Unterschiede an sich - sondern die mangelnde Kenntnis in unserer Gesellschaft, dass nicht jeder unserem Modell nacheifern möchte. Bei zahlreichen Konflikten der jüngsten Zeit, vom arabischen Frühling bis zur Krimkrise oder den Wahlen in der Türkei, zeigt sich die immer gleiche Fehleinschätzung der Europäer. Erstaunlich dabei: Frühere Generationen verfügten über deutlich weniger eigene Erfahrungen in anderen Ländern, bewahrten sich aber eine gesunde Distanz zu anderen Kulturen: Andere Länder, andere Sitten - ein kluger Satz.

Das verpönte Gefühl

Obwohl wir uns als Gesellschaft immer mehr in die Kuschelecke bewegen, unsere Kinder verhätscheln, uns gegenseitig virtuell versichern, wie sehr wir uns lieben und vermissen, obwohl wir geradezu infantile Sehnsüchte entwickeln, haben wir im gleichen Tempo das Gefühl aus der Politik entfernt - abgesehen vom Reflex der Empörung, der Wut, der Fassungslosigkeit. Das große Gefühl, das an die Gemeinschaft appelliert, der Patriotismus, das Familiendenken, all das, was uns als Gesellschaft mehr Bedeutung verleiht als die Summe der Einzelnen, gilt als verpönt.

Ausländische Politiker, die es schaffen, solche für jede Gemeinschaft wichtigen Gefühle zu bedienen, werden mit entsprechenden Vokabeln belegt: Vom Populisten, Machiavellisten bis zum modernen Faschisten.

Unsere Antwort ist dagegen der abstrakte Begriff, der einem höheren Ziel dient: Wer glaubt, dass jemand als "Verfassungspatriot" in Wallung gerät, kann natürlich nicht verstehen, dass andere ihr Land "lieben" und hält dies sogar für eine gefährliche Gefühlsregung. In Deutschland wird gerne das Lied vom "EU-Bürger" gesungen und gleichzeitig reagieren Medien und Politik verständnislos auf die Entfremdung von diesem Kunstgebilde. Die FDP taumelt der kompletten Bedeutungslosigkeit entgegen und fabuliert etwas von "Liberalismus" - wessen Puls schlägt schneller, wenn er diesen Begriff vernimmt?

Der Bauch gehört in die Politik

Sind wir körperlose Wesen, die nur eine Reihe chemischer Reaktionen abarbeiten - oder Wesen, die Ängste haben, Freude verspüren, sich animieren oder deprimieren lassen, Initiative entwickeln oder geführt werden wollen?

Der Bauch gehört in die Politik. Das haben viele geschmähte Politiker von Sarah Palin bis Wladimir Putin begriffen - ganz egal, was man von ihrer jeweiligen Politik hält. Je weniger wir das verstehen, umso stärker wird die Entfremdung von Politik anhalten. Und umso wahrscheinlicher werden begabte Alphatiere den Sieg gegen die abstrahierenden Weicheier davontragen.

Mittwoch, 19. März 2014

Der Retro-Mann aus Moskau



Schluss mit Lustig!
Was haben sich schon die Medien über ihn lustig gemacht - wegen seiner inszenierten Machobilder, wegen seiner Körpergröße. Ein kleiner Hanswurst, der einen auf dicke Hose macht, irgendwas kompensieren muss.

Nun hält er die Welt in Atem und viele fürchten ihn oder, selbst im Westen, bewundern ihn. Die Scherze sind verstummt, Häme und Spott weichen Angst und Ungewissheit.

Dabei sehen wir nur einen Mann vor uns, von dem es früher nicht wenige gab. Einen Mann, der handelt. Das ist für uns westliche Weicheier so ungewohnt geworden, wo wir uns doch runde Tische, Abstimmungen, den Konsens aller Beteiligten, die Einbeziehung noch der marginalsten Minderheit wünschen. Wir regeln Dinge über gewaltige, bürokratische Apparate, bei denen am Ende niemand mehr weiß, wer was warum wollte und wieso es zu genau dieser Lösung kam.

Eine politische Welt, in der selbst respektierte Anführer wie Bundeskanzler oder amerikanische Präsidenten nur noch wie Getriebene wirken.

Action speaks louder than words

Dieser Mann handelt.

Mir begegnen derzeit nicht wenige Menschen, die dieses kraftvolle Agieren faszinierend finden, auch wenn sie die politischen Aktionen selbst ablehnen.

Putins Maximen entstammen einer Zeit, der wir oft nostalgisch nachtrauern - in vielem zu Recht. In der die Dinge geordnet waren, man sich auf Worte, Handschläge und Ankündigungen verlassen konnte, als wären sie in Stein gemeißelt. Eine Zeit kantiger Typen mit Biografien, die sich sehen lassen konnten.

Die heimliche Bewunderung des Herrschers aus Moskau sagt einiges über uns aus und die Zeit, in der wir leben. Irgendwas hat sich fehlentwickelt. Putin erinnert uns daran, was das sein könnte.

Freitag, 14. März 2014

Die tägliche Empörung


Schon vor Jahren nervte ich Freunde mit meiner These, dass das Internet dümmer mache. Was insoweit bemerkenswert war, als ich nicht als Kulturpessimist der "Früher war alles besser" Sorte gelte. Was mich in den Anfangszeiten besonders besorgte, war vor allem die Tendenz, weniger Gedrucktes zu lesen - das störte mich ganz eigensüchtig als Autor, aber auch als Vater und Freund von Büchern & Zeitschriften.

Was ich mir allerdings nicht ausmalen konnte, war, wie das hohe Tempo der Echtzeitnachrichten auf die Qualität vieler Medien drückt. Und wie selbst ansonsten vernünftige, gebildete Menschen sich in hysterische Lemminge verwandeln, die Meldungen nachplappern, welche früher niemand auch nur mit einer Zange angefasst hätte.

Null Strahlentote - echt jetzt?
Der krasseste Fall der letzten Jahre waren die angeblich mehr als 20.000 Toten durch eine Reaktorkatastrophe in Japan. Fukushima, you name it. Auch Topmedien vermengten die Ereignisse einer Naturkatastrophe mit denen eines technischen Schadens auf eine unlautere Art und Weise, die dazu führte, dass noch immer etliche Menschen daran glauben, dass es tausende Strahlentote gegeben habe. Diese Bilanz lautet aber bis heute: Null.

Sarah Palin - irgendwas wird schon dran sein!
Perfide sind auch Verquickungen von Äußerungen und Personen, die in den Überschriften zu einer geradezu bösartigen Propaganda zusammengerührt werden. Heute melden beispielsweise etliche Medien, dass Sarah Palin einen Atomangriff auf Russland gefordert habe. Man mag zu dieser Frau stehen, wie man mag, aber daran ist kein Wort wahr. Tatsächlich hat sie auf einer Parteiveranstaltung ein bekanntes, amerikanisches Bonmot - ein bad guy mit Waffe wird am besten von einem good guy mit Waffe gestoppt - abgewandelt und in einen globalen Kontext der Obama Regierung gestellt, der das Atomwaffenarsenal abrüsten möchte. Das mag dumm, überheblich, lächerlich oder einfach nur einem Affekt geschuldet sein, whatever - es war aber nicht das, was in vielen deutschen Medien daraus gemacht wurde.

Die tägliche Empörung gib uns heute
Tatsächlich haben nicht wenige meiner Facebookfreunde diesen kompletten Mist im erwartungsgemäßen Ton von Entrüstung bis Empörung - garniert mit Beleidigungen zur Rednerin - verbreitet. Ich grüble noch, was an diesem sehr typischen Fall deprimierender ist: Die Perfidie einiger Medien oder die inzwischen schon hysterische Leichtgläubigkeit vieler Erwachsener.

Für meine Kinder und überhaupt alle Jüngeren wünsche ich mir eines: Dass sie die Mechanismen des Internet verstehen und ihre Schlüsse daraus ziehen. Um nicht jeden Stuss weiterzuverbreiten und ihren gesunden Menschenverstand auch in der Ära von Echtzeitnachrichten einschalten.